Kurzdefinition
Eine ungerade Taktart ist ein Metrum mit einer asymmetrischen Gruppierung innerhalb des Takts. Statt sich durchgehend wie gleich große, wiederkehrende Gruppen anzufühlen, ist der Takt meist aus ungleichmäßigen Gruppierungen wie 2+3, 3+2, 2+2+3 oder 3+2+2 aufgebaut.
Häufige ungerade Taktarten sind 5/4, 5/8, 7/8, 11/8 und 13/8. Das Wort ungerade bedeutet nicht einfach, dass die obere Zahl ungerade ist. 3/4 ist zum Beispiel normalerweise ein regelmäßiger Dreiertakt, keine ungerade Taktart.
Wie die Beats gruppiert werden
Ungerade Taktarten funktionieren oft durch die Kombination kurzer und langer Beat-Gruppen. Eine kurze Gruppe hat meist 2 Unterteilungen. Eine lange Gruppe hat meist 3 Unterteilungen.
Ein 5/8-Takt kann zum Beispiel als 2+3 gruppiert werden:
1 2 1 2 3
Der gleiche 5/8-Takt könnte auch als 3+2 gruppiert werden:
1 2 3 1 2
Beide haben fünf Achtelpulse, aber das Akzentmuster verändert das Feel. Die erste Version tendiert zu kurz-lang. Die zweite Version tendiert zu lang-kurz.
In 7/8 sind häufige Gruppierungen:
- 2+2+3: 1 2 1 2 1 2 3
- 2+3+2: 1 2 1 2 3 1 2
- 3+2+2: 1 2 3 1 2 1 2
Die Taktart sagt dir, wie viele Notenwerte im Takt stehen. Die Gruppierung sagt dir, wie Musiker sie normalerweise fühlen und phrasieren.
Wie man es hört
Eine ungerade Taktart klingt oft wie ein Groove, dessen Zyklus an einer unerwarteten Stelle umspringt, besonders wenn du 4/4 gewohnt bist. Ein 5er- oder 7er-Zyklus kann sich anfangs ungleichmäßig anfühlen, weil die Akzente nicht über den ganzen Takt hinweg gleichmäßig verteilt sind.
Das Wort ungerade ist relativ. In balkanischen, mazedonischen, bulgarischen, griechischen, türkischen, nahöstlichen, südasiatischen und anderen lebendigen Traditionen können asymmetrische Taktarten völlig natürlich, tanzbar und zentral für den Stil sein, statt ungewöhnlich zu wirken.
Achte auf wiederkehrende Akzente. In einem 7/8-Takt, gruppiert als 2+2+3, hörst du die Schwerpunkte vielleicht auf der ersten Note jeder Gruppe:
EINS zwei EINS zwei EINS zwei drei
Der Takt hat trotzdem einen gleichmäßigen Puls. Ungewöhnlich ist das Muster der Akzente und Phrasenlängen, nicht unbedingt das Tempo.
Bei schnelleren Tempi fühlt sich die 3-Noten-Gruppe oft wie ein längerer Beat an. In einem 7/8-Takt, gruppiert als 2+2+3, kann sich die letzte Gruppe wie zwei kurze Beats gefolgt von einem längeren Beat in der Länge einer punktierten Viertel anfühlen: kurz-kurz-lang.
Ein guter Groove in einer ungeraden Taktart klingt normalerweise nicht nach Mathematik. Er klingt wie eine wiederholte Form: kurz-kurz-lang, lang-kurz, kurz-lang-kurz oder ein anderes klares Muster.
Wie man es zählt
Beginne damit, zuerst den kleinen Puls zu zählen. In 5/8 zählst du fünf gleichmäßige Achtelnoten:
1 2 3 4 5
Dann fügst du die Gruppierung hinzu. Für 2+3 zählst du:
1 2 1 2 3
Für 3+2 zählst du:
1 2 3 1 2
In 5/4 wird der Puls oft als fünf Viertelnoten-Beats empfunden, aber der Takt kann trotzdem ungleichmäßig gruppiert sein:
- 3+2: 1 2 3 1 2
- 2+3: 1 2 1 2 3
Bei schnelleren ungeraden Taktarten zählen Musiker oft die Gruppen statt jede kleine Unterteilung. Ein Drummer könnte 7/8 als 2, 2, 3 fühlen und dabei den Achtelpuls darunter stabil halten.
Beispiele in musikalischen Situationen
Ungerade Taktarten kommen in vielen Stilen vor, darunter Progressive Rock, moderner Jazz, balkanische und osteuropäische Tanztraditionen, zeitgenössische klassische Musik, Metal, Fusion, Filmmusik und einige Folk-Traditionen. Die genauen Akzentmuster unterscheiden sich je nach Stil, Region, Tempo, Ensemble und Tanztradition.
Ein Bassist könnte sich in 7/8 auf die erste Note jeder Gruppe einklinken. Ein Drummer könnte die Gruppierung mit Kickdrum-Akzenten markieren. In einem 7/8-Takt, gruppiert als 3+2+2, könnte die Kick zum Beispiel die Pulse 1, 4 und 6 akzentuieren, während leichtere Hi-Hat-Noten alle sieben Achtelnoten in Bewegung halten.
Ein Gitarrist oder Pianist könnte Akkord-Stabs verwenden, die 3+2 oder 2+2+3 herausarbeiten. Ein Sänger kann über den Taktstrich hinweg phrasieren, damit sich die ungerade Taktart natürlich und nicht steif anfühlt.
In der Produktion kann eine ungerade Taktart einen Loop erzeugen, der sich nach ein paar Wiederholungen vertraut anfühlt, aber trotzdem eine nach vorn ziehende Form hat. Entscheidend ist Konsistenz: Der Hörer muss hören können, wo der Zyklus neu beginnt.
Häufige Verwechslungen
Eine ungerade Taktart ist nicht dasselbe wie wechselnde Taktarten. Ungerade Taktart bedeutet normalerweise ein wiederkehrendes asymmetrisches Metrum, zum Beispiel 7/8 über viele Takte hinweg. Wechselnde Taktarten bedeuten, dass die Taktart wechselt, zum Beispiel ein Takt 4/4 gefolgt von einem Takt 3/4.
Eine ungerade Taktart ist nicht einfach eine ungerade obere Zahl. 3/4 hat eine ungerade obere Zahl, ist aber normalerweise ein regelmäßiger Dreiertakt mit drei gleich großen Viertelnoten-Beats.
Eine ungerade Taktart ist nicht dasselbe wie Synkopierung. Synkopierung setzt Akzente an unerwartete Stellen innerhalb eines Metrums. Eine ungerade Taktart verändert die zugrunde liegende Taktlänge oder die Gruppierung selbst.
Eine ungerade Taktart ist nicht automatisch schneller oder langsamer. Die untere Zahl in einer Taktart zeigt den Notenwert, der gezählt wird, nicht das Tempo. Ein 7/8-Groove kann langsam, mittelschnell oder schnell sein, je nach Puls.
Eine ungerade Taktart ist kein schlechter oder unvollständiger 4/4-Takt. Ein gut gespielter 5/8- oder 7/8-Groove hat seinen eigenen stabilen Zyklus. Er ist nicht einfach 4/4 mit einem fehlenden Beat.
Übungstipp
- Stelle ein Metronom auf ein angenehmes Tempo, zum Beispiel 80 bpm, wobei der Click den Achtelpuls markiert.
- Klatsche 5/8 als 2+3: Klatsche auf der ersten Note jeder Gruppe lauter und zähle EINS zwei EINS zwei drei.
- Wechsle zu 3+2: EINS zwei drei EINS zwei. Halte den Click stabil.
- Probiere 7/8 als 2+2+3: EINS zwei EINS zwei EINS zwei drei.
- Wenn sich das stabil anfühlt, stelle das Metronom so ein, dass es nur auf den Anfang jedes Takts klickt. Halte die inneren Unterteilungen zwischen den Clicks gleichmäßig.
- Füge ein Instrument-Pattern hinzu: Spiele eine tiefe Note auf jedem Gruppenakzent und leichtere Noten auf den übrigen Pulsen.
Wenn du die Form verlierst, werde nicht schneller und rate nicht. Gehe zurück zum kleinen Puls, zähle die Gruppierung laut mit und mache die erste Zählzeit des Takts wieder deutlich.
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